Gastronomie · Miteinander

Wie „konservativ“ darf man sein?

Ich bin ein Menschenkind, das sich einbildet in jeder Gesellschaftsschicht überleben zu können, da ich in meinem Job lernen musste auch sehr steife Menschen für mich zu gewinnen. Schon klar, dass das nicht immer klappt aber oft!

In einem Traditions Hotel an der Alster habe ich eine Zeit als Aushilfe gearbeitet, da mein vorheriger Teamleiter dort hin zurück ging um dort den Cateringzweig zu übernehmen. Es war sehr interessant und ich mochte das Hotel, genauso wie die meisten meiner Arbeitskollegen. Aber drei besonders merkwürdige Exemplare der Gattung „konservativ“ konnte ich nicht für mich gewinnen. Es gab da eine ossische Kotztussi, einen quer- und längsgestockten soften jungen Mann (Gestiken waren eher weiblich als männlich!) und einen wichtigtuerischen Serviceleiter für die außen Terrasse.

Dieser Softi-Typ also, kam auf einem Catering auf der Trabrennbahn in Klein Flottbek zu mir und sagte völlig entrüstet: „Wir schubsen unsere Gäste nicht!“ Ich war völlig perplex und musste erst mal überlegen, was er denn nun eigentlich genau von mir will. Da fiel es mir ein, ich habe vorher einen Herren leicht an den Arm gefasst und gebeten mal vorbei zu dürfen. Ich schnappte mir den Typen, ging mit Ihm hinter das Zelt und fragte Ihn was nicht stimme und das ich den Job schon lang genug mache um das zu wissen und mich nicht von einem Azubi belehren lasse, wenn der nicht richtig hinschaut, sondern im vorbeigehen etwas aufschnappt. Es war ihm dann etwas peinlich und er räumte ein, dass es Ihm leid täte, denn er hat es wirklich nur im vorbeigehen registriert. Aber erstmal losbellen nicht wahr? Steifer geht’s kaum noch, man man man! Ich hätte ihm gern angeboten, ihm persönlich die Stöcke aus dem A…llerwertesten zu ziehen.

Dann habe ich an einem Tag auf der Außenterrasse (auf der Alster) gearbeitet und bin, beim Besteck polieren, auf die ossische Kotztussi gestoßen! Ich bin von Natur aus neugierig, daher habe ich gefragt woher sie denn kommt. Sie hat eine Stadt genannt die ich nicht kannte und ich fragte nach wo das genau ist! Sie sagte mir das es am größten Fluss Deutschland läge und ich sagte:“Ach an der Donau?“ „Sie sagte: „Nee, an… -ich glaube es war ….. die Lausitzer Neiße …. aber ich weiß es nicht mehr, sorry-! Ich sagte also: „Ach so in der Ex-DDR!“ und wollte eigentlich nachsetzen, dass ich mich in der Ecke so gar nicht auskenne, doch leider kam ich nicht soweit, denn sie preschte schon los: „Ja das ist ja typisch für Euch Wessis, ihr kennt Euch in Eurem eigenen Land nicht aus!“ Sie war so wütend und aggressiv und ich fragte sie erstmal was denn jetzt überhaupt los ist. Sie pflaumte mich weiter an, dass sie die Schnauze von uns dämlichen Wessis voll hätte und wir ja so Arrogant wären! Ich nehme einfach mal an, dass schon mehrere Leute diesen Fluss nicht kannten oder sie irgendwelche privaten Probleme hatte! Ich war zumindest der falsche Adressat. Ich fragte sie jedenfalls daraufhin, warum sie denn hier ist und nicht zurückgeht, wenn wir alle scheiße sind. (Das ist in meinen Augen kein Ost-West Problem, sondern ein generelles Problem wenn sich jemand irgendwo nicht wohlfühlt ist die Lösung doch so einfach: Geh zurück, egal woher Du kommst!) Das würde ich auch machen, denn wenn ich so unzufrieden bin, wird es nicht besser bevor ich was dagegen unternehme. Mein Glück habe ich selbst in der Hand, sage ich immer! An diesem Abend hat sie gar nicht mehr mit mir geredet und ich auch nur das nötigste mit Ihr.

Dann war da am selben Abend noch der wichtigtuerische Serviceleiter, der mich eigentlich schon kannte aber trotzdem extrem von oben herab zu mir war. Zuerst habe ich fast eine Stunde warten müssen, weil mich niemand einweisen wollte. Zwischendurch habe ich schon selbst irgendwas gemacht, von dem ich dachte, dass es so sein müsste aber da es ja überall anders läuft, war auch nicht alles richtig. Ich sollte mich also an den Rand stellen und sollte zum ca. zehnten mal die Karte mit den etwa 50 Speisen und Getränken ansehen. Jetzt mal ehrlich, ich weiß ja nicht wer da sonst so kommt aber ich brauche da keine Stunde für. Ich durfte auch nicht mit den Gästen sprechen aber die Tische abräumen und servieren (LOL). Unmengen von Gläser und Besteck polieren war aber drin!  Einmal habe ich es gewagt die Bestellung für zwei Getränke an den Stationskellner weiter zu leiten, da ist er mir fast an den Hals gesprungen, weil mir ja schon erklärt wurde, dass ich nichts annehmen dürfte! Sorry, aber ich habe gelernt, dass es kein: „Ich bin nicht für Sie zuständig gibt“! Da wäre doch die Vision von John Willard Marriott von wegen: „Going the extra mile“ angesagt.

Von vornherein (Bei Terminabsprache und nochmal vor Schichtbeginn) war abgesprochen, dass ich nicht länger als bis zehn Uhr arbeiten kann, da ich am nächsten Morgen um 5 Uhr morgens wieder für meinen Hauptjob auf der Matte stehen musste. Eigentlich war das Anfangs okay, da ich nur eingesprungen war,um ihnen den Hintern zu retten, aber als ich dann gehen wollte, musste ich mir trotzdem noch einen dummen Spruch anhören. Da war es mir nach allem aber auch schon egal!

Zum Glück musste ich nie mehr auf diese Terrasse, denn die Caterings haben mir eh besser gefallen und waren wesentlich entspannter! Wie panne kann man denn bitte sein?

Ein anderes Hotel, das mindestens genauso bekannt und angesehen ist, schafft es auch, dass im Team ein „relativ“ entspanntes Klima herrscht!

14 Kommentare zu „Wie „konservativ“ darf man sein?

  1. Uii, da geht es aber heftig her und über ein paar Aussprüche, bzw. Betitelungen konnte ich herzlich grinsen😀 so sind sie wirklich die *räusper*.
    Aber lass dich von keinem unterkriegen, das packst du schon, da bin ich mir ganz sicher.

    LG Mathilda😉

    1. Haha, ja Mathilda die Stories haben bereits vor ca. 6 Jahren stattgefunden und ich hoffe das Mädel hat endlich Ihren Frieden mit sich machen können!

      Meine jetztige liebste Serviceleiterin kommt auch aus dem Osten Deutschlands und ich kann mir keinen besseren Menschen vorstellen, denn sie ist die Ausgeburt an Reinheit und Freundlichkeit in einer Person und ich hab Sie wahnsinnig gern!
      Schon länger besteht mein Freundeskreis sowieso großteils aus Ostdeutschen und Gays und ich hab Sie alle gern, weil ich finde, man sollte niemanden nach seiner Herkunft oder nach seiner Sexualität beurteilen! Ich schaue mir jeden Menschen ganz individuell an und wenn ich Ihn mag ist es mir egal ob er/sie Uruguay, aus dem Osten oder aus der Gosse kommt. Derjenige darf auch gern grüne oder blaue Hautfarbe haben, alles unwichtig, solange der Mensch korrekt ist

  2. Ist halt leider so, dass nicht jedes Arbeitsklima toll sein kann, aber zumeist sind es die Mitarbeiter die es sich schwer machen, leider!

    1. Ja, der Meinung bin ich auch! Ich sage immer der Chef kann noch so be… sein, solange das team zusammen hält ist das Nebensache. Wenn sich aber gegenseitig alle die Augen aushacken, dann ist es echt schwierig ohne Bauchschmerzen zur Arbeit zu gehen!

  3. Hi Sue,
    sehr genialer Beitrag von dir, habe mich wirklich Amüsiert diesen zu lesen:-)
    Aber ist schon Krass soetwas und Unmöglich.
    Erinnert mich an meine Zeit, aber du weißt ja wegen Penner Penny:-))
    Spass beiseite, deine neuen Beiträge kann und möchte ich Loben.

    Ich wünsche dir und deinne Lieben schöne Pfingsten und Liebe Grüße
    Michael

    Übrigens habe ich bereits 3 KIlo abgenommen, bald ist es endgültig geschafft:-)

    1. Hi Michael,

      danke Dir, freut mich sehr, dass es Dir gefallen hat!
      Ich hoffe Du hattest ein schönes Wochenende, sollte ja bei dem Wetter nicht schwer fallen oder?

      Glückwunsch zur Gewichtsreduktion und viel Erfolg weiterhin. Chaka, Du schaffst es!

  4. Ich kann es nicht leiden, wenn Leute ihre persönlichen Probleme auf der Arbeit mit sich rumschleppen und damit alles verpesten.
    Die scheinen ja alle 3 mehr oder weniger nicht mit sich selbst im Reinen zu sein…sonst müssten sie sich so ja nicht aufführen.

    Aber ja, solche gibt’s eben überall…leider…

  5. Wie du deine Teamkollegen titulierst („Kotztussi“ etc.) macht dich auch nicht gerade sympathisch -sorry. Ist dabei auch egal, wie unsympathisch/blöd die anderen widerum tatsächlich sind.

    1. Erst mal Hallo,

      danke für Deine Meinung.

      Ja das kann gut sein aber ich kann sowieso nicht davon ausgehen, dass mich jeder mag. Deshalb bleib ich lieber wie ich bin, hart und ehrlich aber meisten fair! Wenn jemand bei mir zum einarbeiten kommt und zum ersten Mal da ist nehme ich den Jenigen unter meine Fittiche und sorge dafür, das möglichst wenig Fragen offen bleiben. Damit alle zusammen eine möglichst reibungslosen Ablauf in der Schicht genießen können.
      Und man macht Aushilfen, die kommen um einem zu helfen auch nicht grundlos dumm an! Das hab ich nicht einmal erlebt und es hat mich echt lange Jahre angekotzt.

      Ich bin aber nie persönlich geworden oder habe jemanden beschuldigt Dinge getan zu haben, die er/sie nicht getan hat.

      Ich respektiere Deine Meinung und bin dankbar dafür das Du so ehrlich bist. Das ist nämlich tatsächlich das was ich am meisten respektiere. Leute die sich nicht scheuen, gerade heraus Ihre Meinung zu sagen sollte es mehr geben. Deshalb tue ich das auch, weil ich schon immer ausgesprochen habe was viele denken.

      Schöne Woche noch!
      LG Sue

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