Essen & Trinken · Gastronomie · Kritik · Miteinander

Verarscht Du mich?

Wirklich nervig und unnötig sind Situationen in denen man sich wirklich veräppelt fühlt. Davon gibt es ja im Leben mehr als genug aber einige wenige davon sind auch unbewusst. Das weiß aus der Situation heraus selbst Gast zu sein. Das ist das Gute daran, beide Seiten zu kennen. Bei Manchen allerdings habe ich das Gefühl, dass es reine Böswilligkeit ist.

Eine Situation in der es unbewusst passiert ist Beispielsweise diese:

Ich komme an den Tisch und bringe den Gästen das Bestellte, dieselbe Person oder jemand anders, an diesem Tisch, hat etwas vergessen zu bestellen. Die Person entschuldigt sich in der Regel einen jetzt sofort nochmal losschicken zu müssen. Man merkt schon ob es beabsichtigt ist. Je charmanter ich gebeten werde, desto weniger ist es ein Problem für mich.

Es gibt aber auch Menschen, die einen nonstop hin und her scheuchen als seien sie die einzigen Gäste. In diesen Momenten ist es dann schwierig noch freundlich zu bleiben. Vor allem bei denjenigen die, weil man zwischendurch mal zwei Minuten an einem anderen Tisch zu tun hat, dann die Kollegen ran winken und doppelt bestellen. Das ist immer wirklich super, wenn dann zwei Kellner am Tisch stehen.

Einige Situationen möchte ich Euch näher bringen, die Entscheidung ob beabsichtigt oder nicht überlasse ich Euch…! 😉

Am Verkaufstresen in einem Selbstbedienungsrestaurants. Eine Familie kommt zu mir und alle bestellen einzeln:

Ich: „Hallo, was darf es denn sein?“

Tochter: „Ich hätte gerne eine Bionade Holunder!“

Ich bückte mich zur Schublade und gab ihr die Bionade und wandte mich an das nächste Familienmitglied.

Ich: „Und was darf es bei Ihnen sein?“

Mutter: „Ich hätte auch gerne eine Bionade!“

Ich (bevor ich nochmal die Schublade aufmachte) :  „Kommt da noch eine Bionade dazu?“

Mutter (mit erstaunlich scharfem Unterton): „Insgesamt zwei, eine für meine Tochter und die andere für mich.“

Ich bückte mich also ein zweites Mal, gab der Mutter die Bionade und wandte mich an den nächsten in der Reihe.

Ich: „Kommt da noch etwas dazu?“

Sohn: „Eine Bionade Ingwer Orange!“

So habe ich mich also 3x zu selben Schublade gebückt, obwohl einmal auch gereicht hätte.

Eine solche Situation ist leider keine Ausnahme, in der gehobenen Gastronomie passiert so etwas allerdings seltener.  Also je ramschiger die Location, desto wahrscheinlicher sind solche Situationen.

Ähnliches geschieht auch dann, wenn Menschen so dominant sind, dass sie für Andere Sprechen.

Gast: „Entschuldigung, ich hätte gerne einen Kaffee.“

Ich: „Kommt da noch ein Kaffee dazu?“

Gäste (fast einstimmig): „Nein!“

Ich: „Ok, was kommt noch dazu?“

anderer Gast: „Einen Kaffee bitte!“

Die übelste Situation, dieser Sorte, habe ich allerdings bisher in dem Tanzlokal, in dem ich Anfing zu Kellnern, erlebt. Dort hatte ich immer einen Tisch mit vielen Russen. Die haben sich oft so daneben benommen, dass das allein Stoff für eine Brockhaus Reihe bieten würde.

Eines Tages haben Sie so wild gefeiert, dass die Biere im 10 Minuten Takt umkippten. Jedes Mal wenn ich alles sauber hatte und das neue Bier brachte, war das nächste kaputt. Das habe ich, ca. 5x mitgemacht, bis ich die Schnauze voll hatte und mich ohne es sauber zu machen vom Tisch entfernte um mich auch mal um meine anderen Gäste kümmern zu können. Einer von Ihnen kam zu mir um mir zu sagen, dass ein Bier umgekippt wäre und ich es vergessen habe sauber zu machen. Ich lächelte ihn an und sagte: „Sorry, da hab ich jetzt keine Zeit für.“ Er wurde sauer und fing an wild zu gestikulieren um mit mir zu diskutieren. Ich sagte ihm dass ich es schon 5x gesäubert hatte und nun einfach mal Schluss ist.

Er dachte wohl bei sich, wenn er nun zu meiner Chefin, ginge um sich über die böse Kellnerin zu beschweren, würde er seinen Willen schon bekommen. Also machte er sich auf, um nach meiner Vorgesetzten zu suchen. Selbstverständlich, kam sie direkt danach zu mir um mich zu fragen warum ich mich weigere, dort die Scherben und das Bier wegzumachen. Ich erklärte ihr, die Situation und alles war gut. Sie sagte, ich müsse das nicht mit mir machen lassen.  Zum Glück, war meine Chefin auch der Meinung, dass es zu teuer wäre eine Servicekraft für einen einzigen Tisch abzustellen.

20 Kommentare zu „Verarscht Du mich?

  1. Hallo Sue,

    soetwas ärgert mich auch wenn ich das lese auch das mit der Familie:-((
    Im ernst furchtbar.
    Aber ganz toll geschrieben und das wäre auch was für ein Buch:-)
    Das würde ein Bestseller werden:-)
    Ich wünsche dir und deinen Lieben ein schönes Osterfest und erholsame tage und natürlich die allerbesten Grüße
    Michael

    1. Hi Michael,
      darüber musst Du Dich nicht ärgern! 😉 Solche Situationen hatte ich ja auch schon lange nicht mehr! Glücklicherweise…
      Ich glaube in jeder Berufssparte, die irgendwie mit Kundenservice/Dienstleistung zu tun hat, ist sowas vorprogrammiert.
      Menschen haben Launen und Emotionen, einige sind halt mehr auf Krawall als andere.

      Danke Dir, für die Liebe Worte!

      Wünsche Dir/Euch auch ein schönes Osterfest!

      Bis bald und Liebe Grüße
      Sue

  2. Das ist einfach nur unverschämt was sich manche Leute da rausnehmen. Da geht mir echt die Hutschnur!!!

    Bei solchen denke ich mir immer, dass die ganz arme Würstchen sein müssen…wahrscheinlich vollkommen unterdrückt vom Chef, vom Partner, überlastet mit ihrem Alltag und Job, keinen Mut ihre Meinung zu sagen und nicht in der Lage Entscheidungen zu treffen….kurzum…Menschen die die absoluten Loser sind und solche Aktionen brauchen um sich selbst das Gefühl zu geben, dass sie über jemandem stehen und die Kontrolle haben. Aber nichts davon gibt ihnen das Recht sich so zu verhalten. Idioten!

    1. Es gibt leider zu viele Leute die einfach nur unglaublich unverschämt sind aber die lieben Gäste die man so hat, sind dann gleich doppelt so auffällig und versöhnen einen umso mehr! 😉

  3. Ich musste grad an das Hotel denken, wo wir früher immer Urlaub gemacht haben. Da hätte man meinen können, an der Rezeption würden sie bei Ausgabe der All Inclusive-Bändchen die Höflichkeit einsammeln. Da hab‘ ich mir dann an der Bar die Wartezeit damit verteiben können, an die Bestellungen der anderen Gäste ein „Bitte“ oder „Danke“ dranzuhängen… Oder sie mal „freundlich“ darauf hinzuweisen, daß man die 6 Getränke nicht einzeln bestellen und den Barmann 6mal durch die Gegend scheuchen muss…

      1. *grins* die meisten haben etwas doof geguckt und dann „äh… ja… bitte/danke“ gestammelt. Schien ihnen peinlich zu sein, daß es jemand anderem negativ auffällt…

  4. ganz ernsthaft, ich glaube manche leute wollen einfach nur provozieren. da stimmt was im oberstübchen nicht bzw. sie haben minderwertigkeitsgefühle und toben sich an anderen menschen aus, um sich besser zu fühlen. so nach dem motto: ihm/ihr habe ich’s jetzt aber gegeben, was für ein schöner tag auch! ich glaube gerade, dass man es als servicekraft wirklich nicht leicht hat, weil man leute „bedienen“ muss, was viele dan als bedienen ohne anführungszeichen verstehen und sich so ihre späßchen erlauben. ich glaube, da muss man wirklich extrem cool bleiben…

    1. Das stimmt und es ist nicht immer einfach aber ganz ehrlich, je gehobener die Gastronomie, desto seltener sind solche Spirenzchen! Deshalb bin ich froh, dass ich nicht mehr in solche „Läden/Schuppen“ arbeiten muss.
      Aber wie gesagt, die Launen der Menschen, die machen es aus. Selber bin ich ja auch nicht einfach als Gast aber nicht unnötig unhöflich, nur anspruchsvoll, weil ich halt den Mund aufmache, wo andere ihn halten. 😉

  5. Als Lokal-Gast habe ich stets eine gewisse Peinlichkeit empfunden, wenn sich andere Gäste daneben benommen haben.
    Dabei sollte doch jeder jeden so behandeln, wie er selber auch behandelt werden möchte.
    Im Prinzip ganz einfach, aber was willst’e machen, wenn …….. 😉

    LG v Sven – und dont worry, be happy

    1. Das ist genau meine Devise! Ich behandele meine Gäste auch so wie ich als Gast gern behandelt werden würde. Das sollt überall so sein! Aber seit einer Woche ca. schwirrt mir dieser Spruch im Kopf herum, den ich neuerdings ständig zitiere, weil er in verschiedenen Kontexten eingesetzt werden kann.
      „Wenn jeder nur an sich denkt, ist an alle gedacht!“

      1. “Wenn jeder nur an sich denkt, ist an alle gedacht!” – ja, und wir haben eine Welt voller Egomanen – dazu noch ordentlich die Ellenbogen gebrauchen, das schafft mehr Platz und die schwächeren in unserer Gesellschaft bleiben auf der Strecke! Auch nicht so richtig zieführend 😉

      2. Ich sag ja, man kann Ihn negativ und positiv einsetzen! Aber im Moment ist das sehr präsent in meinem Hirn, warum weiß ich auch nicht. Früher habe ich mich darüber immer aufgeregt, doch seit heute sehe ich zum ersten Mal auch einen positiven Aspekt daran. 🙂

  6. sowas geschieht auch in der sogenannten hoeheren gastronomie. darueber kann ich buecher schreiben was da schon alles abgegangen ist..auch die damen und herren aus russland mit ihren bargeld buendeln sind immer wieder eine geschichte wert…naja ..wir haben es ja so gewollt. wir haetten ja was anstaendiges lernen koennen…..))) ….neeeeeee ich mag meinen Job auch mit den „tollen“ Gaesten.

  7. Ich finde Du hast völlig normal reagiert, weiß nicht ob ich die Geduld aufgebracht hätte. Habe mit Russischen Gästen im Hotel auch schon so einiges erlebt.. kann Dich 100 Pro verstehen.. Grüßli Camina .. übrigens tolle Seite hast Du hier—

    1. Hallo Camina,
      Herzlich willkommen und danke für Deinen Kommentar. Vielleicht hast Du ja was beizusteuern, wenn Du das kennst!

      Es freut mich wenn es Dir hier gefällt!

      Liebe Grüße
      Sue

  8. das ist wirklich fein, dass deine chefin hinter dir gestanden ist – das ist nicht immer so, weil viele chefitäten angst vor kunden haben. irgendwann ist schluss – die leute, die sich affig aufführen, sind so niveaulos und glauben, wenn sie mal auswärts essen/trinken gehen, können sie sich alles erlauben. tztztzt

    1. Hi, danke ja da hast Du Recht aber bisher waren meine Chefs immer so dass Sie hinter mir standen, weil sie meine Arbeitsmoral und mein Verhalten Gästen gegenüber kennen. Ich bin eben absolut Kundenorientiert.

      Aber ich glaub Affen gibt es überall, auch im Büro. Da sind es dann halt die Kollegen! 😉 Schöne Woche Dir

      LG Sue

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